Auf der Seite des Bösen: Meine spektakulärsten Fälle als Strafverteidiger

Auf der Seite des Bösen – Ist der Name eigentlich bereits Programm? Sind Strafverteidiger wirklich immer auf der falschen Seite, wenn sie vermeintliche Verbrecher verteidigen? Diese Frage stellt sich Stephan Lucas, der bereits eine beachtliche Karriere im Justizwesen vorzuweisen hat.
Er hat seine eigene Kanzlei und ist seit 2001 als Staatsanwalt in einer Richtersendung zu sehen. Er hat sich als Laienschauspieler, aber auch als Strafverteidiger also längst einen Namen gemacht und versucht sich nun auch als Buchautor. Selbstredend schreibt er über Erfahrungen, die er in seinem Beruf machen durfte und beglückt uns nicht mit einem Belletristikroman.

Genug der Vorworte, das Buch ist definitiv zu interessant, um es mit meinen Einleitungen zu verschwenden. Der Autor des Buches ist, wie gesagt, Strafverteidiger, und schreibt seine interessantesten Fälle nieder. Insgesamt sind es neun Fälle, die erläutert werden. Stephan Lucas beschreibt seine Fälle immer aus der Sicht eines Menschen mit vielen Emotionen und niemals als Fachjurist. Und genau das habe ich nicht erwartet. Ein Vergehen bleibt niemals ein Vergehen, ein Verbrechen bleibt auch niemals ein Verbrechen. Er geht einfühlsam auf die Sichtweise des Angeklagten und des Opfers ein. Zwar wird selbstverständlich immer Partei ergriffen, aber der Leser hat niemals das Gefühl, dass der Verteidiger sich nur auf die Seite seiner Mandanten schlägt. Zwar kann er sich nicht damit rühmen, dass er sich nur für das Richtige, aber sich dennoch für ein faires Verfahren für seine Mandanten einsetzt.
Zeitungsberichterstattungen kann man ja oft nicht trauen, da viele die Wahrheit einfach verzerren oder vorschnell ein Urteil fällen, bevor das Verfahren überhaupt erst angefangen hat. Denn wann erfahren wir schon die gesamten Hintergründe? Umso erfreuter bin ich, dass nicht nur die Delikte beschrieben, sondern auch die näheren Umstände erläutert werden und dass es für jede Tat einen Grund gibt.

Fazit: Das Buch ist menschlich, höchst interessant und kann ich nur jedem ans Herz legen, der Interesse an Strafsachen hat. Vielleicht hat es auch ein wenig mit meiner Arbeit zu tun, dass ich die 264 Seiten verschlungen habe, aber nach diesem Buch frage ich mich nach jeder Berichterstattung, wie der Fall sich wohl wirklich zugetragen haben müsste und unter welchen Umständen alles passiert sein muss. Stephan Lucas‘ und alle anderen Strafverteidiger sehe ich nun in einem ganz anderen Licht, wenn es ihnen doch nur darum geht, für ein faires Verfahren und Einhaltung aller Rechte zu sorgen.
Auf der Seite des Bösen: Meine spektakulärsten Fälle als Strafverteidiger, Stephan Lucas, ISBN-13: 978-3426785423
Weitere Informationen gibt es beim Knaur Verlag

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21 thoughts on “Auf der Seite des Bösen: Meine spektakulärsten Fälle als Strafverteidiger

      • Das hätte ich tatsächlich nie erraten =) Aber dann wundert mich nicht, wie Du an dieses Buch geraten bist. Auch wenn ich gar nichts mit Jura zu tun hab, hast Du mich neugierig gemacht.

        Wir waren in Tunesien und es war wahnsinnig schön – trotz Pauschaurlaubern, die morgens um halb sechs ihr Handtuch an den Pool gebracht haben, damit sie auch ja den ganzen Tag über eine Liege haben, egal ob sie planen in der Sonne zu liegen oder nicht. Aber es gab ja noch das Meer, da ists sowieso viel schöner =)

        • Also ich denke, dass das Buch auch für alle anderen sehr interessant ist. Nur weil ich in diesem Bereich arbeite, heißt dies noch lange nichts – vor allem haben wir beide doch sehr viele und unterschiedliche Interessen, oder?

          Da haben wir ja beide die gleiche Erfahrung gemacht, weil wir gleichzeitig auf Pauschalurlaub waren (nur war ich nicht auf Flitterwochen 😀 ) und in der Türkei.
          Wird es eigentlich mehr Details zu eurer Hochzeit geben oder ist das zu privat? Würde mich halt total interessieren :)

        • Da hast Du allerdings recht =)

          Uuh, wie war’s denn in der Türkei? Auf unserem Blog wollten wir uns jetzt nicht weiter äußern (das interessiert wahrscheinlich auch gar nicht so viele Leute), aber ich erzähl Dir gern alles was Du wissen willst =)

          • Eine Katastrophe nach der anderen, ich werde versuchen einen Bericht abzutippen – jedoch ist meine Hand (und noch mehr) gehandicappt.
            Also ich bin schon sehr neugierig. Was habt ihr denn so gemacht in den Flitterwochen? Wie lange kennt ihr euch eigentlich schon? Und plant ihr schon Mini-Nerds?
            Habt ihr standesamtlich geheiratet oder kirchlich?
            War’s eine große Hochzeit? 😀
            Ich will so ziemlich alles wissen 😀

  1. ich schaue diese Gerichtssendungen sehr gerne und damit ich keine verpasse, nehme ich sie auf, habe ein Interwiev mit ihm gesehen und das Buch kommt in meinen Besitz, KLaus

  2. Seine Sendungen sehe ich ganz gerne.Mal sehen, wenn mein Mann das Buch kauft, werde ich es vermutlich auch lesen.

    Schönes Wochenende
    wünscht Biene

  3. Oh, das hört sich interessant an, ein bisschen wie „Schuld“ von Ferdinand von Schirach, das fand ich auch sehr toll. Einfach weil man mal einen ganz anderen Blick auf die Begebenheiten bekommt.

    • Ja, das finde ich auch. Die ganzen Zeitungen stellen die Täter oftmals nur als Täter dar, ohne überhaupt zu erwähnen, dass diese oftmals selbst Opfer waren! Das zeigt, dass alles einen Grund hat.

  4. das klingt ja unglaublich spannend und nach einem werk, das längst mal fällig war. das ist es doch, was interessant ist, die hintergründe, die zusammenhänge, die wie-kam-es-dazus. danke für die vorstellung, es wär toll wenn ich das mal lesen könnte.

  5. ja, das hört sich wirklich spannend an. ich finde ja auch reportagen oder bücher von profilern interessant – und dein buch schließt da ja quasi an. ist der mörder gefunden, geht’s vor das gericht. 😉

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