Justin Timberlake – The 20/20 Experience

Lange hat uns Justin Timberlake schmoren lassen. Anstatt uns mit regelrecht genialen Musikkompositionen zu beglücken, versuchte er sich offensichtlich mit Erfolg als Schauspieler. Unglücklicherweise habe ich größtenteils nur die schlechten Produktionen mit ihm gesehen. Während „Just in Time“ auf keinster Weise brillieren konnte, zählt auch „Bad Teacher“ zu den Filmen mit eher fragwürdigem Humor.

Es wurde nun wirklich Zeit, dass er sich wieder ins Musikbusiness stürzte, bevor er als Musiker wieder komplett in Vergessenheit geraten konnte. Nun zauberte er mit „The 20/20 Experience“ ein weiteres Werk aus dem Ärmel. Vor über einem Monat ist es bereits erschienen, aber nach anfänglicher Skepsis wollte ich abwarten, ob sich das Album in meinen Ohren entfalten konnte.

Wie auch bei Futuresex/Lovesounds zeigt Justin hier sein großes Faible für Intros und extrem lange Outros. Nur drei Songs dauern knapp weniger als 5 Minuten, der Rest wird von einem Outro begleitet, das in der Regel insgesamt nicht kürzer ist als 7 Minuten. In einer schnelllebigen Zeit eine sehr mutige Entscheidung, die ich allerdings nicht gutheißen kann. Zu oft wünsche ich mir schnell das Ende eines Songs herbei und springe zum nächsten Lied über. Zwar sind seine Ambitionen ein Lied angemessen ausklingen zu lassen bemüht, aber jedem Song Zeit zu lassen, ist zu viel des Guten.

Unscheinbar und langweilig wirken „Blue Ocean Floor“ und „Strawberry Bubblegum“. Ein wenig psychedelisch mit zu langatmigen Ansätzen erinnern sie an Filme, die ohne Plot dahertümpeln. Uninspiriert und ohne jegliche Highlights werden diese Songs von mir auch wahrgenommen.
„Pusher Love Girl“ zeigt gleich am Anfang was Justin Timberlake drauf hat. Das Schreiben von Songs hat er nicht verlernt und der Song ist ein richtig schöner Hit geworden, der eingängig ist und im Ohr schnell hängenbleibt. Sowohl der Gesamtteil, als auch das Outro überzeugen. Denn anders als bei einigen anderen Tracks wurde auch das Fade Out sehr kreativ gestaltet und dient nicht als Lückenfüller, den Justin sowieso nicht hätte bieten müssen. Pusher Love Girl zeigt dieselbe Leidenschaft wie Senorita, das bereits 2002 ein Ohrwurm war.

Suit & Tie wird zwar von vielen hochgelobt und dagegen spricht auch nichts. Nur finde ich keinen Ansatz eines Ohrwurms, auch besitzt der Song keinerlei Qualitäten, die zum Mitsingen oder Mitchillen animieren. Er ist nicht eindeutig schlecht, sondern kann im mittleren Teil zum Aufstehen überzeugen. Doch die ersten Minuten fand ich mehr schlecht als Recht, sodass dieser getrost hätte ausgelassen werden können. Nicht schlecht, aber der Anfang ist richtig scheisse.

Die ersten 16 Sekunden von „Don’t Hold the wall“ suggerieren dem Zuhörer eine Ballade vor. Danach ertönt Timbalands markante Stimme und der Song mutiert zu einem Mid-Tempo. Schön und gut, denn mit Timbaland kann man nur wenig falsch machen, möchte ich meinen.

„Tunnel Vision“ fängt schlecht an, auch wenn der Song an sich nicht schlecht ist. Justin beweist nur ein weiteres Mal, dass er sein Händchen für gute Anfangstakte nicht immer im Griff hat.

Ich weiß gar nicht, ob ich das so schreiben darf, aber ich tue es mal. Eine Maulsperre kenne ich sowieso nicht und wer schafft es schon, mich zum Schweigen zu bringen? Jungs, aufgepasst! „Spaceship Coupe“ ist der perfekte Song, um eure Angebetete flachzulegen.
Bei diesem Lied gerate ich irgendwie komplett ins Träumen. Wenn Justin davon singt wie er allein mit einem Girl im Raumschiff herumcruisen will, kann man gar nicht anders. Komplett verträumt und vermutlich auch high könnte JT gewesen sein, als er diesen Song geschrieben hat. Anders kann ich mir nicht erklären, wieso ich mich bei diesem Song im Delirium befinde. Süß, verträumt, perfekt für Schäferstündchen.

„That Girl“ kann definitiv ebenfalls mit dem vorangegangenem Lied mithalten. Hier stimmt alles von Anfang bis Ende. Dass ein Fade Out nicht immer notwendig ist, zeigt dieses Lied nur allzu gut. Denn es kommt zur Gänze ohne aus und ist mit einer Länge von unter 5 Minuten eine gern gesehene Rarität.
Während „Let the groove get in“ an und für sich zwar nicht schlecht, aber keine Erwähnung wert ist, ist die zweite Singleauskoppelung „Mirrors“ ein richtiger Ohrenschmaus. Hier ist Timberlake ein Meisterstück gelungen, das anfangs befremdlich wirkt, aber sich auf gleich hohem Niveau befindet wie „What goes around, comes around“. Für den langen Teil seines Videos engagierte Justin Darsteller und kommt nur gegen Ende vor. In seinem Mantel wirkt es, als ob er sich nicht einmal die Zeit genommen hätte, sich umzuziehen. Billig, aber das Lied bleibt klasse!
„Dress On“ und „Body Count“ befinden sich am Ende, da beide Songs jeden Grund haben, sich zu verstecken. Langweilig und zum Gähnen sind noch nette Adjektive, die ich gefunden habe, um beide in einem Satz zu beschreiben.

Fazit: Trotz meiner Kritikpunkte ist ein repräsentativer Nachfolger zu Futuresex/Lovesounds erschienen. Justin hat längst sein Boyband Image abgelegt und sich als ernstzunehmender und talentierter Musiker etabliert, was er abermals mit seinem dritten Album unter Beweis stellt. Der einzige Wermutstropfen ist nur, dass Justin Geld zuhauf besitzen müsste und unter keinem Druck steht, sobald einen Nachfolger abzuliefern.
Das Album gibt es als Deluxe Version oder zum Downloaden

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10 thoughts on “Justin Timberlake – The 20/20 Experience

  1. Ich befürchte nur dass ich langsam in ein Alter komme, in dem mein Gehör seine hohe Stimmlage nicht mehr wahrnehmen kann…..:D
    J.T. war nie so wirklich meins….gehört bei mir in die Kategorie „Schalt ich halt nicht weg wenns im Radio läuft“…

  2. also uninspiriert finde ich strawberry bubblegum überhaupt nicht. und das dürfte auch bei den tänzern ganz anders ankommen, denn seit das album draussen ist, ging die post ab mit dem choreographieren in LA und allgemein auf der ganzen welt. am häufigsten meine ich gesehen zu haben strawberry bubblegum (mind. 20 facebook posts von diesem lied als es neu rausgekommen ist) oder that girl. auch mirrors oder suit & tie. strawberry bubblegum inspiriert auf mehreren ebenen. die vielen elemente im beat, die art wie justin singt, man kann sehr viel aus diesem lied holen. es als uninspiriert abzustempeln finde ich unangebracht.

    • Hey Lisi,
      hmmmm. Ich muss ehrlich zugeben, dass ich das nicht so sehe. Ich finde das Lied wirklich langweilig und habe mich oft versucht mich mit dem Lied anzufreunden. Es klappt allerdings nicht. Ich bin aber auch keine Tänzerin – ich höre das Lied nur mit meinen Ohren und weniger mit denen eines Tänzers. Ich kann mir gut vorstellen, dass man sich hier Choreos ausdenken kann, aber aus audiotechnischer Sicht finde ich das Lied boring.
      Das ist nun mal meine Meinung und das macht auch einen persönlichen Blog aus, dass ich nur meine Meinung niederschreibe und nicht was der Rest der Menschheit denkt! :)

  3. Interessant Deine Wahrnehmung gegenüber diesem Album. Also mir gefällt es wirklich richtig gut und animiert mich immer zum Mitsingen. Aber ich bin auch extrem aufnahmefähig für Ohrwürmer. Letztes Wochenende hat mein Freund mich mit dem Helene Fischer Song „Atemlos durch die Nacht“ GEQUÄLT. Fürchterlich…
    Bis auf Strawberry Bubblegum mag ich eigentlich jeden Song. Was er sich dabei gedacht hat ist mir echt ein absolutes Rätsel.

    Ich denke man kann das Album gut durchlaufen lassen, es leise im Hintergund spielen und enbenso lauf aufdrehen um abzugehen. Das schaffen nicht so viele Künstler.
    Ich bin übrigens nie der riesen Justin Timberlake Fan gewesen aber er ist ein F…ing Superstar und ich mag ihn.

    Man muss auch kein Tänzer sein um zu wissen was man mag und was nicht. Wenn man ein Musikalbum hört hat man ja keine Tanzvideos vor Augen.

    • Ja, da bin ich ganz deiner Meinung. Ich verstehe Strawberry Bubblegum bis heute nicht und müssen wir beide auch nicht :)
      Ich bin ebenfalls Endkonsument, kein Tänzer! :)

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