The Bling Ring

Ich war noch nie sonderlich begeistert von Sofia Coppolas Filmen. Nun habe ich für die Premiere jedoch Kinokarten gewonnen und habe mir den Film bereits angesehen. Hinzufügen muss ich schon, dass ich niemals Karten für den Film ausgegeben oder jemals die Absicht entwickelt hätte, diesen überhaupt zu sehen.
Denn Filmbeschreibung und Trailer konnten mein Interesse nicht wecken.

Es ist ein populärer Kriminalfall in den Staaten. Eine Gang von wohlhabenden Jugendlichen, denen es an nichts mangelt, bricht aus Langeweile in den Villen der Promis ein und bestiehlt diese. Sie nehmen jedes Mal nur so viel mit, dass es nicht auffällt. Eines Tages wird die Bande doch ertappt.

Ich habe den Plot ein wenig ausgeschmückt, damit ich nicht nur eine Zeile zur Handlung schreibe. Und meine drei Zeilen sind bereits viel, um den Film und dessen Handlung zu beschreiben. Es geht nämlich auch nicht um viel mehr, denn das war es tatsächlich schon. Nun stellen sich mir einige Fragen.

Emma Watson war bisher immer sehr sympathisch und wählte ihre Rollen mehr mit Bedacht. Seit wann gibt sich die junge Schauspielerin auch für Trash her? Ich hoffe, sie kommt wieder zur Besinnung und wählt ihre Rollen künftig wieder mit mehr Hintergrund. Nebenbei wirken ihre Extensions im Film mehr als nur lächerlich, wobei dies vermutlich beabsichtigt war.

In welchem Universum hat „The Bling Ring“ eine Daseinsberechtigung? Ich kann es nachvollziehen, wenn ein Film über jugendliche Banden gedreht wird, der etwas tiefgründiger ist. Die Charaktere müssen markant sein und sollten zumindest einen interessanten Hintergrund haben. Ich denke nur an Kids, die in einer Problemfamilie leben, auf der Straße leben, Kinderarbeit verrichten oder einfach nur mit sich selbst oder mit ihrem Körper hadern müssen. Es gibt so viele Optionen, um Problemkids und deren Motive und Hintergründe zu zeigen. An Auswahlmöglichkeiten mangelt es wirklich nicht und Sofia Coppola dreht allen Ernstes einen Film über den Bling Ring????

Die Bling Ring Gruppe besteht aus einer kleinen Posse von Teens, die allesamt aus gutem Hause stammen und recht unterbeschäftigt ist. Aus Langeweile nehmen sie Drogen und beschließen kurzerhand in mehreren Behausungen einzubrechen. Sie stehlen nicht aus Armut, sondern lediglich aus Jux. Die Metapher, dass Sophia Coppola versucht unsere Kultur widerzuspiegeln sehe ich bei bestem Willen nicht. Der Exhibitionismus der meisten reicht nicht soweit, jeden Menschen auf Schritt und Tritt zu verfolgen oder sogar dessen Leben einverleiben zu wollen. Die Motive der Kids ist ein niederer. Denn die Ware wird verscherbelt und oftmals werden die Gegenstände nicht behalten und getragen. Es hat den Anschein einer bloßen Bereicherung mit Langeweile als Motiv, sodass die Bande komplett oberflächlich erscheint. Denn die Teens, die an einem selbstzerstörerischen Verhalten grenzen, haben keine Interessen, Ambitionen oder Träume. Ihre Umgebung, aber vielmehr die Gruppe selbst ist oberflächlich und die Charaktere sind allesamt unbedeutend und für die Gesellschaft entbehrlich.

Es hätte ein Film über die aktuelle Generation werden sollen, die kein Ziel verfolgt – ein Porträt einer verlorenen Jugend, die keine Werte hat und entwickelt. So verloren die Jugend auch sein mag, doch potenzielle Zuseher konnten sich offenbar zu wenig mit dem Thema identifizieren.

Spätestens wenn Coppola weiterhin beharrlich draufhält, während die Darsteller bei irgendwelchen Rap Songs mitsingen bzw. ihre Lippen dazu bewegen, wird klar, dass keine Substanz hinter dem Film steckt. Es wirkt wie ein verzweifelter Versuch cool zu sein und fängt dabei einen Moment ein, der die Arbeit der Regisseurin für nichtig erklärt.

Sofia Coppola zeigt einen Hang zur Verharmlosung. Anstatt die Jugendlichen zu entfremden, wird versucht diese auf Zuschauerebene zu bringen. Dass es sich um kleine Gangster handelt, lässt Coppola außer Acht. Als Kavaliersdelikt und als Belustigung werden die Einbrüche dargestellt. Dass hier ein erheblicher Eingriff in die Privatsphäre stattfindet, wird weder thematisiert, noch auf irgendeine Art und Weise zur Schau gestellt.

Die Dialoge sind oftmals zweckmäßig, die Kameraführung oft hektisch während sie an vielen Stellen gemeinsam mit den Darstellern stehenbleibt. Hierbei kann man den Stillstand der charakterlichen Entwicklung deutlich sehen während die Kamera draufhält und vergebens draufwartet, dass die Charaktere für eine Veränderung bereit stehen.

Fazit: Es ist Sofia Coppolas Beitrag zur Müllproduktion in einer Zeit, in der mehr auf Müllvermeidung geachtet werden sollte denn je. Denn „The Bling Ring“ ist ein Film über bedeutungslose Menschen, die an ein oberflächliches Publikum gerichtet ist. The Bling Ring ist seichte Unterhaltung, das nicht grenzwertig genug ist, um in den Geschichtsbüchern zu landen, sondern nur ohne Aufsehen im ewigen Nichts der ohnehin gesättigten Filmindustrie landen wird.
Ohne Anspruch und ohne Pointe sorgt Coppola für 90minütige Langeweile. Durch ihren Vater darf diese doch tatsächlich schlechte Filme drehen ohne sich vorher hochgeschlafen haben zu müssen.

Ähnliche Beiträge:

24 thoughts on “The Bling Ring

  1. Hi Kim,
    prima Artikel – und obwohl ein ziemlicher Verriss, macht es mich nun doch noch neugierig auf den Film. Und sei es nur um kompetent „mitlästern“ zu können 😉
    Aber ins Kino wäre ich deswegen ohnehin nicht gegangen (bei einem Gratisticket wärs natürlich was anderes). Ich bin übrigens auch kein großer Fan von Sofia Coppola. Schon die Begeisterung auf die seinerzeit „Lost in translation“ traf, konnte ich nicht nachvollziehen. Meiner Meinung nach einer der langweiligsten Filme aller Zeiten.
    Lg, Annemarie

    • Annemarie, du sprichst mir aus der Seele! Lost in Translation fand ich auch sehr langweilig. Mit der Erzähldynamik konnte ich einfach nichts anfangen!
      Würdest du ihn dir jetzt anschauen, um mitlästern zu können? 😀
      Kinotickets sind mittlerweile so teuer, sodass ich es mir schon zwei mal überlege, ob ich den Film wirklich sehen und dafür bezahlen möchte! :S

  2. Ein schöner Verriss, diese Sorte von Reviews macht immer am meisten Spass (für Leser wie auch Autor).

    Auf jeden Fall weiss ich nun um einen weiteren Film, den ich nicht sehen muss 😉

    • Hi Andy,
      vielen Dank!
      Aber ich glaube, den Film hättest du dir auch vor meiner Review nicht angeschaut! 😉
      Du bist einfach die falsche Zielgruppe für den Film – wobei ich natürlich auch nicht die ZG für diesen Film bin. Aber da die Karten ja gewonnen wurden, musste ich ihn mir zwangsweise anschauen ^^““‘

    • Nicht nur wegen den Extensions – ich habe das mit den Extensions erwähnt, da Emma Watson ja richtig hübsch ist, aber mit den künstlichen Extensions kommt das nicht wirklich gut zur Geltung. Schade eigentlich!

  3. Geld ausgeben würde ich auch nicht für den Film, aber anschauen würde ich ihn bei Gelegenheit schon, allein um den materiellen Kram anzuschauen 😉 LG, J.

  4. Nur weil man aus einer Familie mit künstlerischen Ambitionen kommt, hat man nicht gleich auch dasselbe in der DNA gespeichert…
    Tja.. ihr bestes Werk war wohl der Auftritt im Paten 3, wo sie die Tochter von Michael Corleone (Al Pacino) spielte… und übrigens auch nicht gerade oscarwürdig.
    Ich habe bisher alle Filme von ihr gesehen und fand alle irgendwie unwichtig… ausser vielleicht „The Virgin Suicides“, welcher von der Thematik her jedenfalls mitreisst.
    Bei Lost in Translation war nur der Soundtrack eine Kinokarte wert – AIR ist einfach fantastisch :-)
    Bei „The Bling Ring“ konnte mich so rein gar nichts überzeugen. Aufgesetzter Quatsch, diese Sache mit den ach so gelangweilten reichen Kiddis.
    Aber nur so als Anekdote: Ihr Vater, Francis Ford Coppola, drehte Ende der 70er den Film „Apocalypse Now“, welcher dermassen veriessen wurde und als regelrechtes Stück Kot hingestellt wurde… und heute ist es eines der meistgelobten sogenannten Meisterwerke.
    Vielleicht passiert ihr das mit ihrem neuen Schund auch 😉
    Ich für meinen Teil war auch im Kino hab mir Schund angesehen: The Lone Ranger… aber das hat wenigstens noch Spass gemacht…

    • Also ich muss auch zugeben, dass sie nicht zum Filmemachen geboren ist.
      Ich habe das Buch zu The Virgin Suicides gelesen und anschließend gesehen. Vom Film war ich nicht so begeistert. Da hätte man mehr draus machen können. Die Erzähldynamik war mir einfach zu lahm.
      Ich finde den Film nicht wirklich schlecht – aber gut ist auch etwas anderes.

      Lost in Translation fand ich schlecht. Punkt. Wieso er so gehyped wird, weiß ich nicht. Wahrscheinlich waren alle von Scarletts Hintern so begeistert….

      The Lone Ranger floppt aktuell ja ganz schön an den Kinokassen…. Und Westernfilme sind auch nicht so meins…
      Daher werde ich ihn mir nicht im Kino anschauen :S Bist du ein Fan von Johnny Depp oder Westernfan?

      • Hi Kim,

        Western find ich schon gut – seit meinen ersten Leseversuche mit Karl May 😉
        Das Genre ist halt schon verstaubt und die besten Geschichten sind schon erzählt worden. Da kann auch ein Quentin Tarantino nicht viel dran ändern, obwohl seine Interpretation bei mir auf Begeisterung stiess.

        Johnny Depp ist halt so ein Fall von Zwiespältigkeit; manchmal überzeugt er. manchmal tötet er vor Langeweile. Jedenfalls kann man ihm seither seine vielfältige Rollenwahl zu Gute schreiben, nur muss er sich langsam vorsehen, nicht nur noch abgedrehte Charaktere zu spielen. Eines seiner frühen Highlights ist sicherlich der in Echtzeit gedrehte Thriller „Gegen die Zeit“, ein Film aus den 90er. Das letzte mal wirklich gut geschauspielert hat er meiner Meinung nach in „Secret Window“ aber auch die Piratenfilme machten Spass, wobei da der Film nicht nur auf seinen Schultern getragen wurde. Momentan dreht er mit Christopher Nolan den Thriller „Interstellar“ – mal sehen

        Der Lone Ranger ist ein ziemlich amüsanter Film… ich kenne noch die uralte Tv-Serie, die in den frühen 80er – so um die 84-87 – im Samstagsmorgenprogramm gleich nach den Cartoons lief. Deswegen hab ich mich auch ins Kino bemüht und war wirklich überrascht.
        Mich hat er prima unterhalten, aber auch nicht mehr.
        Er ist so eine Art Westernversion von den Karibikpraten, was aber gar nicht mal so schlecht ist, steht man auf imposante, seichte Popcornunterhaltung 😉

        Liebe Grüsse, M.

        • Also Western ist einfach nichts für mich. Nur Tarantino hat es geschafft, einen für mich interessanten Film zu machen – aber das wird wohl kaum am Genre liegen!
          Johnny Depp schlüpft ja nur mehr in abgedrehte Rollen, da hat man nicht mehr wirklich das Gefühl, dass das gespielt wird, sondern vielmehr sein Alltag ist. Ich würde ihn halt auch wirklich gerne mal in normalen Rollen sehen. Langsam muss Johnny Depp auch mal erwachsen werden.
          Irgendwann fand ich Fluch der Karibik nicht mehr so spannend – der Hype war dann einfach verflogen. Aber Lone Ranger… schaut nicht wirklich anders aus als Johnnys bisherigen Filme. Seicht hatte ich diese Woche schon 😀

          liebe grüße,
          kim

    • Ihr bester Auftritt war ihre Babyrolle in „Der Pate“. Mit drei Wochen legt man halt einen ganz anderen enthusiasmus an den Tag 😉
      Freundlichst
      Marrus

  5. die ganze handlung und der ganze style des films wirken auf mich schon mega zum einschlafen. ich denke mal das ist eher ein film für eine bestimmte art „junger“ frauen und eine ganze bestimmte art junger männer… also will das ja nicht kritisieren… aber ich denke, ich habe, für so einen Film, einen etwas zu niedrigen Östrogen-Spiegel.

    • Für mich gilt wohl dasselbe, lol.
      Mich persönlich haben die Persönlichkeiten dahinter einfach nicht interessiert – das ist für mich einfach zu wenig Substanz.

  6. Das große Problem des Films ist ja nicht einmal, dass sich Sofia Coppola seit dem – wie ich finde – großartigen LOST IN TRANSLATION keine neuen erzählerischen Neuerungen raussucht. Sie verkommt immer mehr zu einer Berichterstatterin der First-World-Problems. War es in LOST IN TRANSLATION noch durch die sehr berührende Beziehung zwischen Murray und Johansson kaschierte Handlung eines reichen Mannes, der mit seinem Ruhm nicht klar kommt, so ist SOMEWHERE bloß noch ein Film über die Langeweile eines Superreichen.
    In THE BLING RING könnte ich diese Sinnlosigkeit des Alltags der betuchten Teenies ja noch halbwegs für einen verfilmbaren Stoff halten. Aber was Coppola vollkommen außer Acht lässt, ist ihre propagierte Folgenlosigkeit: der exzessive Drogenkonsum hinterlässt keine Spuren, ebenso wenig ein wirklich lebensgefährlicher Autounfall, geschweige denn die Gerichtsverhandlung.

    • Da hast du natürlich Recht, Jan!

      Ich glaube zwar nicht, dass man aus dem Stoff hätte mehr machen können, aber dafür ist der Film ungefähr so geworden, wie erwartet.
      Und diese Folgenlosigkeit kann ich auch nicht wirklich unterstützen. Aus diesem Film kann man einfach nichts lernen.

  7. Ich finde Sofia Coppolas Filme normalerweise großartig und Lost in Translation ist tatsächlich mein absoluter Lieblingsfilm. So drastisch wie dein Fazit zu Bling Ring würde ich es nicht formulieren, aber enttäuscht hat mich der Film trotzdem.

  8. Ich hätte gern meinen eigenen Lifestyle“, sagt ein junges Mädchen in Sofia Coppolas Film „The Bling Ring“. Das ist nicht dasselbe wie ein eigenes Leben. In Kalifornien geht es nicht um Individualität. Sondern um Reichtum. Aber Kalifornien ist heute überall. „The Bling Ring“ ist der Film der Stunde. Er ist gegenwärtig und politisch, auch wenn er filmisch nicht einmal besonders hervorsticht. Mit sanftem Impressionismus hat Coppola einen Text aus der Vanity Fair verfilmt, den die Reporterin Nancy Jo Sales im Jahr 2010 geschrieben hat. Die Geschichte erzählt von einem eigentümlichen Verbrechen: Vom Herbst 2008 bis zum Sommer 2009 brachen fünf Jugendliche aus Hollywood in den Häusern ihrer Stars ein, um Devotionalien zu klauen – Schmuck und Kleider von Paris Hilton oder Lindsay Lohan, Orlando Bloom oder Kirsten Dunst. Es ist ein Zufall, dass gleichzeitig die Finanzkrise ihren Höhepunkt erreichte. Und gleichzeitig ist es kein Zufall.

Kommentar verfassen