Kim und der Journalismus oder auch…

…Meine Erfahrungen beim Videospielverlag

Diese alten Relikte aus meiner Zeit habe ich noch gefunden – zwei Hefte an denen ich mitgearbeitet habe.

Der einzige Videospieleverlag Österreichs hat genau vor einer Woche verkündet, dass sie in die Insolvenz gehen und die Redaktion geschlossen werden würde. Dies ist Grund genug für mich meine Zeit dort Revue passieren zu lassen. Ja, ihr habt richtig gelesen: Für wenige Monate war ich in der Redaktion und wollte Erfahrungen sammeln. Meine Eindrücke habe ich schon vor wenigen Monaten zusammengefasst, ihn aber bisher nicht veröffentlicht. Aber nun, da sie die Pforten geschlossen hat, wird’s wohl Zeit einige Erinnerungen wachzurufen.

Ich blogge wirklich gerne, weil mir das Schreiben Spaß macht. Ich hatte auch ein Volontariat bei einem Videospielmagazin. Ich hörte dort frühzeitig auf, da mich meine Tätigkeiten als Volontärin einfach zu desillusionierten. Zeichnete sich Journalismus dadurch aus, dass man den Firmen Honig ums Maul schmieren wollte und stets charmante Worte verwenden musste? Meine Texte wurden damals ständig gekürzt und zensiert, da ich nun mal Sachen gerne auf den Punkt legen wollte. Dass meine besonders kreativen Umschreibungen für schrottige Games dem Rotstift zum Opfer fielen, glich einer Folter wie Dieter Bohlen im Fernsehen zu betrachten.

Ich habe in den drei Monaten auch zwei oder drei Mal die Schlussredaktion machen dürfen und bin in meiner Freizeit an einem Samstag/Sonntag in die Perfektastraße gefahren, um mit anzupacken.
Viele Texte habe ich korrekturgelesen, während die damalige Lektorin erst gar nicht erschien. Ich übernahm die Arbeit von einer Person, die für ihre Arbeit bezahlt wurde, während ich mir mit der Bezahlung des Verlags nicht einmal die Kosten einer Monatskarte für die öffentlichen Verkehrsmittel abdecken konnte. Aber meine Arbeit hat sich nicht bezahlt gemacht, da nicht einmal im Heft vermerkt wurde, dass ich die Schlussredaktion übernommen habe. Und ich hasse es wirklich, die Credits für meine Arbeit nicht einstreichen zu können.

Ich habe in den drei Monaten absolut nichts gelernt und brach auch mein damaliges Volontariat frühzeitig ab – denn ich hatte gehofft, viel zu lernen, um danach mit meiner gesammelten Erfahrung zu prahlen. Stattdessen durfte ich öfters zum Zielpunkt und den Redakteuren ihre Brötchen holen. Hatte MF Hunger wollte er, dass ich zum Zielpunkt laufe. Am ersten Tag war es auch meine allererste Aufgabe den Geschirrspüler auszuräumen, bevor mir überhaupt das Büro gezeigt wurde. Für die niederen Tätigkeiten gab es mich, was mich damals sehr ärgerte. Nun könnte man sagen, dass nichts Schlimmes dran wäre, mal den Geschirrspüler auszuräumen oder das Essen der Jungs zu holen. Doch ich sehe das komplett anders. Zwar bin ich ein Teamplayer, verstehe mich aber nicht als Handlanger anderer. Zum einen wurde ich außerdem nur symbolisch entlohnt und musste gegen Ende den wenigen Scheinchen dem Unternehmen ziemlich lange hinterherlaufen und zum anderen sehe ich nicht ein, wieso ich der Hausdiener der damaligen Redakteure spielen sollte, wenn nicht einmal eine anständige Entlohnung auf mich warten sollte. Denn für solche Tätigkeiten hatte ich mich schließlich nicht beworben. Und für solche Tätigkeiten bin ich mir zugegeben auch einfach zu fein, da solche Arbeiten anständig vergütet werden sollten. Meinen eigenen Kram räume ich zwar sehr wohl weg, aber ich finde es hochnäsig von mir verlangen zu wollen, den Dreck anderer wegzuräumen, wenn ich mich gar nicht dafür freiwillig gemeldet hatte (und nochmal: Ohne Geld sollte man Tätigkeiten in dieser Richtung gar nicht verlangen dürfen).
Zudem war ich auch zum damaligen Zeitpunkt kein Fangirl der Redaktion, die sich aufopfert und alles mitspielt, nur um mal in den heiligen Hallen der Redaktion schnuppern zu können.

Ich habe oben kurz erwähnt, dass ich Spiele testen durfte. Doch Hand durfte ich nicht an den Blockbuster Titeln legen, sondern lediglich die Spiele testen, die nicht einmal irgendwer geschenkt haben möchte. Wie hätte ich etwas Positives über „Mein Ponyhof“ berichten können? Hier wurde ich öfters drauf aufmerksam gemacht, dass ich die Sponsoren nicht verärgern und Sachen beschönigen sollte. Natürlich ist es schwierig, hier einen akzeptablen Weg zwischen Professionalität und ehrlicher Kritik zu finden. Andererseits zahlen Leser für das Magazin und erwarten im Gegensatz hierfür ehrliche Meinungen, auf die sie sich verlassen können. Ist dies vielleicht mitunter ein Grund, wieso Blogs so beliebt sind und Magazine immer stets an Glaubwürdigkeit verlieren?

Damals war ich noch recht schüchtern und hätte mich auch nicht getraut, allen ins Gesicht zu sagen, dass jeder sich gerne sein Essen selbst holen dürfe. In den ersten zwei Wochen war ich froh, dass ich ein Volontariat ergattert hatte, daher kam solch ein Spruch noch gar nicht in Frage. Schnell folgte die Ernüchterung und mein Traum als Redakteurin für Videospiele wurde schnell wieder begraben.

Das Volontariat ist jetzt zwar schon etliche Jahre her und ich wollte eigentlich über etwas ganz anderes schreiben – aber herausgekommen ist nun einmal ein Eintrag, in dem ich in Nostalgie schwelge und von meinen Anfängen im Verlagswesen berichten wollte.

Aber es ist nicht alles negativ, was mit dieser Zeit einherging. Denn durch den Verlag habe ich Chris von kaeotic kennengelernt (lest seine Passagen über seine Zeit dort hier nach) und wir sind sogar sehr gute Freunde geworden in der Zwischenzeit.

Außerdem habe ich On-Screen Erfahrung gesammelt. Für einen kurzen Beitrag stand ich kurz als Expertin mit Bianca Schwarzjirg vor der Kamera und habe über irgendetwas gefaselt. Den Namen der Sendung habe ich allerdings leider wieder vergessen.

Obwohl der einzige Videospieleverlag Österreichs nun ein Ende gefunden hat und ich meine positiven Erfahrungen mit einer Hand abzählen kann, finde ich es dennoch schade, dass es so weit gekommen ist. Denn was bedeutet das genau? Bis auf die allerwenigsten Ausnahmen hat sich die gesamte Gaming Industrie wohl aus Österreich verabschiedet. Noch sind Ubisoft und Xbox noch in Wien angesiedelt, aber dass die meisten PR- Angelegenheiten, Vertrieb, etc. werden aus Deutschland abgewickelt. Österreich verliert mehr und mehr an Bedeutung. Eine traurige Entwicklung.

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12 thoughts on “Kim und der Journalismus oder auch…

  1. Huhu,

    Ich hab früher als Teenager auch diverse Games-Zeitschriften gelesen und entweder war es damals noch nicht so schlimm oder ist mir in dem Alter nicht so bewusst geworden, aber mittlerweile empfinde ich die Fachzeitschriften fast nur noch als Anzeigenblättchen, für die Neuerscheinungen. Ich hab‘ natürlich keine Ahnung, wie es in Österreich aussieht, aber in Deutschland empfinde ich die Presse selten als kritisch. Auch wirken die Spiele nicht wirklich ausgiebig getestet und sowohl Recherche als auch Hintergrundinformationen wirken sehr dürftig. Dem Spielejournalismus haftet irgendwie etwas amateurhaftes an. Man muss natürlich auch sehen, dass es für Journalismus keine leichten Zeiten sind. Printmedien liegen im sterben und Online-Präsenzen sind extrem abhängig von der Industrie, über die sie eigentlich berichten sollen, Die meisten Seiten zum Thema Games sehen ja häufig sehr ähnlich aufgebaut aus. Irgendwelche Zitate oder Verlautbarungen (meist aus dem englischsprachigen Raum kopiert und als Meldung dann ins deutsche übersetzt) dazu ein paar Bildchen und dann der Kommentarbereich. Wirklichen Journalismus sehe ich dort selten. Das Journalistischste was man wohl erwarten kann ist dann mal ein Test zu einem neuen Spiel. Aber welcher große AAA Titel hat in den letzten Jahren mal wirklich interessante unterschiedliche Kritiker-Echos hervor gerufen. Sehr häufig hab ich auch den Eindruck dass Kritikpunkte aus US-Medien kopiert werden. Im Zeitalter des Internets kann ich mir genauso gut ein paar „Lets Play“s auf YOUTUBE reinziehen und kriege einen ganz guten Eindruck von dem Spiel, welches mich interessiert. Selten gibt es mal wirklich interessante Artikel zur Spielebranche, die über das reine „Testen“ eines Spiels hinaus gehen. Dadurch misslingt es dem Games-Journalismus sich als seriöse Fachberichterstattung zu etablieren, während das Medium der Video – und Computerspiele flächendeckend zunehmend breitere Akzeptanz als Unterhaltungsmedium erfährt. Wenn man allerdings zu großen Teilen von Sponsoren abhängig ist, welche dann auch noch die Industrie sind, dann erklärt sich natürlich die mangelnde Kritikkompetenz.
    Das sind jetzt so meine Gedanken, die ich als Laie und ehemaliger Leser von Gamesfachzeitschriften und Internetseiten, mir so mache. Vielleicht ist das aber auch völliger Blödsinn und es ist gar nichts dran. Ich hab da keine Ahnung von. Ich weiß auch nicht wie schlecht es um die schreibende Zunft wirklich steht aber man hört ja von immer weiteren Negativrekorden. Die Spielemagazine scheinen für mich zu Werbeheften/Seiten verkommen zu sein. Auch habe ich irgendwie kein Bedürfnis mehr die zu lesen, weil ich mich auf genügend anderen Wegen informieren kann. Eventuell ist der Bedarf beim Konsumenten generell nicht so stark vorhanden.
    Naja, ich will hier nicht weiter spammen.

    Achso: Zu den niederen Diensten als Volontär/Praktikant, kann ich nur sagen, dass das wohl irgendwie immer so läuft, wenn man neu in ein bestehendes hierarchisches System einsteigt. Als junger Soldat der deutschen Luftwaffe, wäre ich damals froh gewesen den Geschirrspüler in meiner Einheit ausräumen zu dürfen. Was die Vorgesetzten da teilweise an die Neuen abgegeben haben, war schon dreist. Wie oft man da irgendwelche Räume, die eh nie jemand benutzte, ausmisten durfte war schon lächerlich. Dabei wollte ich zu Manövern und so weiter. Ich hatte öfter ‚nen Besen in der Hand als ein Gewehr. Allerdings mit höherem Dienstgrad, als ich dann selbst Untergebene hatte, stellte ich fest, dass man Aufgaben genauso runter delegierte und je dienstälter man wurde, desto mehr Zeit verbrachte man im Fernsehraum und in der Stützpunkt-Bar. Das ist wohl einfach der Lauf der Dinge, dass Neue bzw. Praktikanten und so, häufig die Arsch-Aufgaben kriegen. Was glaubst du wie viel unsinnige Arbeit die Wehrpflichtigen aufgedrückt bekamen.

    Naja, genug davon.

    Ich bin schon wieder abgedriftet. Vielleicht liegts daran, dass ich mich vor’m Abwasch drücke? Kein Plan.

    Machs gut!

    • Hi,
      natürlich ist es sehr schwer hier wahrscheinlich kritische Stimmen zu äußern. Einerseits möchte man die Werbetreibenden nicht verärgern und andererseits gilt es ein Maß an Höflichkeit und Anstand zu wahren. Verstehe ich und bin mir sicher, dass sehr viele Medien das ebenfalls tun. Es ist einfach ein Teufelskreis. Schreibt man ausschließlich kritisches, darf man irgendwann nicht mehr auf die Unterstützung der Publisher hoffen/bauen. Dies kann auch bedeuten, dass keine Werbung mehr geschaltet wird und dies führt letzten Endes zum Ruin eines Mediums. Hmmm, ich weiß nicht, ob man das mit dem Bundesheer vergleichen kann. Glaub mir, du hast sicher mehr bekommen und beim Heer gilt es oft einfach nur Leute zu beschäftigen. Und meine Zeit war mir schon immer zu kostbar, um anderen den Dreck unentgeltlich wegzuräumen. Ich hätte auch sinnvolleres tun können und es gibt auch durchaus Praktika, wo man Sachen gelernt hat. Aber zu lernen wie man den Geschirrspüler abräumt oder zum Zielpunkt läuft – das sind allesamt Sachen, die ich schon sehr lange kann. Wie gesagt, niedere Tätigkeiten gegen Entgelt – dagegen würde keiner was sagen.
      Danke fürs Lesen! :)

  2. Das klingt ja wirklich nach einem sehr fragwürdigen Volontariat. Klingt n bisschen nach dem KiWi-6-Monate-400-Euro-Prinzip. Das hätte ich vermutlich auch abgebrochen. Ich bin in einem Monat fertig mit meinem Volo und es hat schon echt Spaß gemacht und ich mags nicht missen, aber den meisten kleinen bis mittelgroßen Verlagen fehlt einfach n Volo-Ausbildungsplan. Noch dazu ist es einfach oft so, dass zwar die Kollegen wissen, dass man im Grunde ab einem gewissen Punkt volle Arbeitskraft ist, aber das Management denkt glaub ich manchmal man dreht die ganze Zeit Däumchen. Is ja schließlich nur Volo :) Nun ja, hoffe du machst noch ein paar positivere Erfahrungen :

    • Ein Volo werde ich wohl nicht mehr machen. Ich bin jetzt voll berufstätig, mehr als nur ausgelastet mit meinen Projekten und da ist keine eit mehr für quasi unbezahlte Arbeit.
      Und um ganz ehrlich zu sein: Von 400€ für 6 Monate habe ich damals geträumt 😉

      Ich habe dann auch schnell von einem Kollegen hinterrücks gehört, dass ich sowieso nicht „übernommen“ werde. Denn das Volontariat wollte ich mir ja auch nur antun, weil ich auf eine fix bezahlte Stelle damals gehofft habe, wie es in der Stellenbeschreibung damals gestanden ist. Aber unter diesen Umständen nein danke :)
      Ich wusste auch damals schon, was ich nicht wollte!
      Was machst du denn für ein Volo? Sehr schön, dass es dir Spaß macht! Gibt es Aussicht auf etwas fixes? Wirst du entlohnt?

      • Ohje das hört sich aber wirklich nicht nach den besten Bedingungen an. Also sich eigenständig davon unterhalten zu können, war bei mir schon Voraussetzung. Man will ja niemandem auf der Tasche liegen :) ich hab ein volo in nem kreativratgeberverlag im online-redaktion/marketing gemacht. An was festem wird grad gearbeitet 😉 aber ich hab auch kein Problem mit Selbständigkeit. mache nebenbei ohnehin immer selbständige Projekte. Ich brauch einfach nebenbei immer mal was wo ich einfach nur schreibe weils Bock macht :) LG

        • Das finde ich sehr gut! Finde ich gut, dass du mehrere Projekte hast! Mittlerweile bin ich zum Arbeitstier mutiert und kann das ganz gut nachvollziehen! :)
          Na ja, ich bin niemandem auf der Tasche gelegen – dafür musste ich halt nebenbei arbeiten gehen. Die besten Voraussetzungen waren das halt leider wirklich nicht.
          Online-Redaktion/Marketing hört sich aber sehr spannend an! Cool! Würde ich auch gerne machen! :)
          LG Kim

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